Kann Yoga bei Levator-Avulsion helfen?

Auch bei ernsten Beckenboden-Verletzungen wie einer Levator Avulsion kann Beckenboden-Yoga helfen.

Darum geht's

Ernste Beckenboden-Verletzungen wie eine Levator-Avulsion lassen sich nicht einfach „wegtrainieren“. Trotzdem kann Beckenboden-Yoga eine wertvolle Ergänzung zur medizinischen Behandlung sein – für Körper und Geist.

In 12 Fragen zum richtigen Training:

Braucht dein Beckenboden Kräftigung, Entspannung oder eine Mischung aus beidem? Finde es heraus: mit dem kostenlosen Beckenboden-Test!

In meiner Online-Membership begleite ich auch viele Frauen, die ernste Beckenbodenverletzungen erlitten haben. Wird Beckenboden-Yoga ihre Verletzung heilen? Mutmaßlich nicht. Aber wird es auf anderer Ebene helfen? Bestimmt!

Ich möchte nicht groß drum herum reden: bei einer Geburt kann es auch zu schlimmen Beckenboden-Verletzungen vorkommen, die sich nicht durch „ein bisschen Yoga“ wieder heilen lassen. Dazu gehört die Levator-Avulsion, also ein Abriss des tiefen Beckenbodenmuskels.

Ein solcher Abriss tritt in der Regel durch eine spontane (vaginale) Geburt auf und verändert das Leben der betroffenen Frau danach radikal. Es ist wahrscheinlich nicht verwunderlich, wenn ich zugebe, dass Beckenboden-Yoga eine solche Verletzung nicht heilen kann. Aber womöglich kann Yoga auf ganz anderer Ebene helfen. Und darum soll es im Laufe dieses Artikels gehen.

Beckenboden Abrisse müssen ernst genommen werden

Klar ist: Beckenboden-Symptome nach einer Schwangerschaft und Geburt sind erst einmal normal (hier kannst du nachlesen, welche vorkommen können) und in den allermeisten Fällen steckt keine schlimmere Verletzung dahinter. Durch Rückbildung, Training und ggf. weitere medizinisch/therapeutische Behandlung können die meisten Symptome sich mit der Zeit zurückbilden.

Das ist jedoch nur selten oder sehr viel langsamer der Fall, wenn eine ernste Verletzung dahintersteckt. Bei einer Levator-Avulsion reißt der Beckenboden im vorderen Bereich am Schambein ab (meistens einseitig) und ist danach entsprechend einfach nicht mehr voll funktionsfähig.

Frauen, die einen Levator-Abriss erlitten haben, haben einen extrem hohen Leidensdruck und wünschen sich zurecht dringend mehr Aufklärung zu diesem Thema.

Ich habe vor kurzem einen älteren Artikel aus dem Netz genommen, in dem ich schon einmal über Beckenbodenverletzungen geschrieben habe, da ich gemerkt habe, dass dieser Artikel für betroffene Frauen verletzend wirken konnte. Ich hatte mich in diesem alten Artikel auf die widersprüchliche Studienlage bezogen – es gibt nämlich sehr unterschiedliche Zahlen dazu, wie häufig und bei wem Levator-Abrisse vorkommen. 

Einige betroffene Frauen hatten meinen Text daher als Relativierung des Problems gelesen. Das sollte er jedoch keineswegs sein und ich möchte mich dafür entschuldigen, dass der Text betroffene Frauen verletzt hat. Ich möchte darum in diesem neuen Text auf ein paar Dinge genauer eingehen:

Vorab: Welche Zahlen zu Levator-Abrissen nun die aktuell genauesten und seriösesten sind, weiß ich leider nach wie vor nicht genau. Ernste Beckenboden-Verletzungen mögen seltener oder häufiger vorkommen. Fakt ist jedoch: für jede Frau, die sie betrifft, ist sie eine Zäsur im Leben. Und Fakt ist leider auch: Frauen mit Beckenbodenschäden werden nach wie vor unzureichend betreut und behandelt.

Wie äußert sich ein Beckenboden-Abriss?

Eine Levator-Avulsion wird sich in der Regel direkt nach einer Geburt mit deutlichen Symptomen bemerkbar machen oder in den Wochen und Monaten nach einer Geburt verschlimmern. Folgende Symptome treten häufig auf (einzeln oder in Kombination):

  • Extreme Instabilität oder ein stark „offenes“ Gefühl nach unten
  • Starker Druck nach unten oder Fremdkörpergefühl in der Vagina
  • Stehen und Gehen fällt sehr schwer
  • Deutliche Urin-Inkontinenz
  • Stuhl-Inkontinenz oder starke Probleme bei der Entleerung (manuelle Unterstützung wird nötig)
  • Gebärmutter, Blase oder Rektum senken sich so weit ab, dass sie tastbar, in deutlichen Fällen sogar sichtbar werden
  • Chronische Schmerzen im Beckenbereich

Wichtig ist: nicht immer bedeuten diese Symptome, dass es einen Levator-Abriss gab! Bei diesen starken Symptomen solltest du aber in Erwägung ziehen, dich untersuchen zu lassen.

Du hast deutliche Symptome? Das kannst du jetzt tun:

Durch meine Tätigkeit als Beckenboden-Yoga-Lehrerin kenne ich mittlerweile einige Frauen, die einen Levator-Abriss erlitten haben. Viele von ihnen haben einen jahrelangen Leidensweg hinter sich, weil ihre Diagnose viel zu spät gestellt und ihre Symptome von diversen Ärztinnen und Ärzten nicht ernst genommen wurde.

Mein Eindruck ist mittlerweile, dass wir es mit einem misogynen (frauenfeindlichen) Gesundheitssystem zu tun haben, in dem wir als Frauen oft einfach verloren sind. Umso wichtiger, dass wir uns selbst ermächtigen und so lange dran bleiben, bis wir Hilfe finden! Das kannst du tun:

  • Urogynäkologie und/oder Beckenbodenzentrum: Es gibt spezialisierte Zentren oder niedergelassene Ärztinnen, deren Fachgebiet Beckenbodenprobleme sind. Nicht alle Zentren sind gleich gut und nicht alle Ärztinnen sind gleich empathisch. Es lohnt sich also, sich zu informieren und im Zweifel auch einen weiteren Weg in Kauf zu nehmen, falls das möglich ist. Eine Liste von Beckenbodenzentren findest du auf der Seite der Kontinenz-Gesellschaft (auf den ersten Blick erscheint die Liste mir jedoch unvollständig. Eigene Recherche lohnt also im Zweifel).
  • Beckenboden-Physiotherapie: Zum Glück wächst die Anzahl der speziell für den Beckenboden ausgebildeten Physiotherapeutinnen. Einige (nicht alle) Physio Pelvicas nehmen auch diagnostische Untersuchungen (durch Tastuntersuchung und Ultraschall). Oft können sie dir auch eine medizinische Anlaufstelle empfehlen. Hier findest du eine Liste mit Beckenboden-Physiotherapeutinnen
  • Pessar-Anpassung: Vielen Betroffenen einer Levator-Avulsion hilft es sehr, ein Pessar zu tragen. Das ist ein medizinisches Hilfsmittel, das in der Vagina sitzt und die Organe stützt. Es gibt verschiedene Formen von Pessaren und es braucht eine fachlich kompetente Beratung und Anpassung. In der Regel sind auf Pessar Anpassung spezialisierte Physiotherapeutinnen hier die besseren Anlaufstellen als Ärztinnen oder Beckenbodenzentren (Ausnahmen bestätigen die Regel 😉 ).
  • Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann sehr hilfreich sein, u.a. um Tipps für kompetente Ärztinnen oder Physios zu bekommen. Da Selbsthilfegruppen (u.a. auf Facebook) keine offiziellen Stellen sind, möchte ich hier keine direkten Tipps teilen. Eine eigene Online-Recherche hilft hier aber sicher weiter. 🙂

Und was ist jetzt mit Beckenboden-Yoga?

Neben der medizinischen Diagnostik und Behandlung gibt es aber natürlich auch einen anderen (begleitenden) Weg: den einer ganz besonderen Körper-, Atem- und Achtsamkeitspraxis, auch bekannt als Yoga. 🙂 Ich wäre nicht Beckenboden-Yogalehrerin, wenn ich nicht davon überzeugt wäre, dass Yoga einen unglaublich heilsamen Effekt auf den Beckenboden haben kann – ja selbst bei einer Levator-Avulsion! Mit dieser Meinung mache ich mich manchmal angreifbar und im schlimmsten Falle wird mir vorgeworfen, Levator-Abrisse zu verharmlosen.

Deshalb hier noch einmal ganz deutlich: Yoga wird eine Levator-Avulsion nicht heilen und es wäre maximal unseriös, etwas in diese Richtung zu behaupten. Ich bin die letzte Person, die dir bei einer Avulsion raten würde, zu 100% auf Yoga zu vertrauen. Im Gegenteil vermittle ich meine Yogaschülerinnen an Physiotherapeutinnen oder Ärztinnen aus meinem Netzwerk, wenn ich die Vermutung habe, dass ihre Symptome eine verletzungsbedingte Ursache haben könnten.

Aber neben dem medizinischen Aspekt gibt es nun mal noch so viel mehr. Einige meiner Yogaschülerinnen sind selbst von einem Levator-Abriss oder einer deutlichen Organsenkung betroffen und wissen Beckenboden-Yoga als ergänzende Behandlung sehr zu schätzen. Hier ist warum:

  • Auch bei einem Abriss können Symptome sich verbessern! Und zwar nicht nur durch ein Pessar, sondern auch durch die Stärkung der umliegenden Muskulatur (Core, Po, Hüfte) und eine verbesserte Körperhaltung. All das trainieren wir im Beckenboden-Yoga.
  • Die Yoga-Übungen fördern Mobilität, Kraft und Elastizität, aber sie überfordern nicht! Viele betroffene Frauen waren vor ihrer Diagnose sportlich aktiv und sehnen sich wieder nach Bewegung. Andere Trainings sind jedoch gerade am Anfang zu fordernd und können die Symptome sogar verschlimmern. Beckenboden-Yoga hingegen ist ein ausgeglichenes Training, in dem du viele Flows und Übungen findet wirst, die dir auch bei Levator Avulsion nicht schaden oder dich zu sehr belasten – gerade wenn du nach dem KraftRuheLiebe-Prinzip gemeinsam mit mir übst!
  • Es gibt subtile Instrumente, die sehr wirksam helfen! Kennst du z.B. die Uddiyana-Technik, die deine Beckenorgane anhebt? Oder die Übung Viparita Karani, die deinen Beckenboden sofort entlastet? Uralte Yoga-Techniken können dir zumindest kurzweilig Entlastung und ein besseres Gefühl im Beckenboden schenken. Und dir bei regelmäßiger Übung vielleicht sogar langfristig helfen.
  • Körper und Geist sind nicht getrennt zu betrachten! Vielleicht kennst du das selbst: je mehr du dich im Kopf um deine Diagnose drehst, umso stärker sind die Symptome. Yoga kann dir helfen, deinen Geist zur Ruhe zu bringen und das Gedankenkarussell zu verlangsamen. Das kann auch die Wahrnehmung der Symptome verändern – in der Regel zum besseren.
  • Aktives Tun gibt dir deine Selbstermächtigung zurück! Yoga ist eine Übungspraxis, d.h. du kommst ins Handeln. Eine Levator-Avulsion zwingt dich zunächst zu einer oft kaum erträglichen Passivität. Schon simple Yoga-Übungen wie Atemlenkung oder kleine Meditationen können dir ein Gefühl von Selbstwirksamkeit zurückgeben.
  • Beckenboden-Yoga stärkt das Vertrauen in dich und deinen Körper! Durch die körperliche Kräftigung, aber auch durch energetische Aspekte, die du mit Yoga in Gang bringst, wirst du neues Vertrauen in deinen Körper gewinnen und Mut für die Zukunft schöpfen können. Dein Leben wird sicher anders weitergehen, als vor der Verletzung. Aber es wird weitergehen und du kannst es gestalten!

Gerade die letzten drei Punkte zeigen den großen Unterschied, den Beckenboden-Yoga im Vergleich zu anderen Trainings macht: Yoga spricht alle Ebenen des menschlichen Seins an: Körper, Geist, Gedanken, Gefühle… All das macht dich aus und all das beeinflusst deinen Weg der Genesung.

Natürlich heißt Genesung im Falle einer Levator-Avulsion meist leider nicht komplette Heilung (auch wenn mittlerweile bekannt ist, dass manche Levator-Avulsionen spontan ausheilen). Aber du kannst über so viele Wege beeinflussen, wie du dich fühlst!

Beckenboden-Yoga ausprobieren

Falls du eine Levator Avulsion oder andere Beckenbodenverletzung erlitten hast, lade ich dich herzlich ein, Beckenboden-Yoga ergänzend zu weiterer Behandlung auszuprobieren. Wenn du den Beckenboden-Test machst, erhältst du im Anschluss ein Schnupperangebot per E-Mail. Ich freue mich, wenn wir uns bald in der KraftRuheLiebe Online-Membership sehen!

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