Der Beckenboden – Mythos, Geheimnis, Wunderwerk

Darum geht's

Andere wollen einen Sixpack – meine Leidenschaft hingegen gehört einer Muskelgruppe, die man von außen noch nicht einmal sehen kann. Was macht den Beckenboden so spannend und wozu brauchen wir ihn?

Auf dieser Website geht es um Beckenbodenyoga – um eine Bewegungsform also, die den Beckenboden ganz besonders in den Fokus nimmt, ihn stärken und entspannen soll. Andere wollen einen Sixpack, den man schon aus 100 Metern Entfernung sieht. Meine Leidenschaft hingegen gehört einer Muskelgruppe, die niemand jemals zu Gesicht bekommt. Denn sie gehört zu unserer Tiefenmuskulatur, liegt unsichtbar fürs Auge tief verborgen in unserem Beckenbereich.

Aber wie es nun mal oft ist im Leben: Die wichtigsten Arbeiten werden im Hintergrund erledigt. Soll der Sixpack sich draußen nur sonnen – ohne den fleißigen Beckenboden könnte er nicht mal aufrecht stehen!

Um den Beckenboden wirklich anschauen zu können, müsste man sich quasi selbst obduzieren. Das geht natürlich nicht, ist klar. Aber zum Glück gibt es schlaue Bücher mit guten Illustrationen – und diese Website hier! Ich möchte dich in den nächsten Wochen auf eine kleine Reise mitnehmen, die dich direkt zu und in deinen Beckenboden hinein führt. Auf dieser Reise wirst du erfahren, warum der Beckenboden so wichtig für deinen gesamten Körper ist – und wie du ihn entdecken und bewusst wahrnehmen kannst. Also los geht’s!

Was ist der Beckenboden überhaupt?

Der Beckenboden ist eine etwa handdicke Muskel-Faszien-Schicht, die wie eine Schale in unserem Becken liegt. Salopp gesagt sorgt diese Muskelschicht in erster Linie dafür, dass unten nichts aus uns herausfällt – bzw. dass nur dann etwas herauskommt, wenn es Zeit dafür ist. Denn der Beckenboden umschließt unsere Ausscheidungs- und Geschlechtsorgane und verschließt diese mit Muskelkraft, damit wir nicht aus Versehen unterwegs Urin, Stuhl (oder gar ein Baby!) verlieren. Damit sind wir schon bei der ersten wichtigen Funktion des Beckenbodens:

Funktion Nr. 1: Verschließen

Du musst Pipi, aber deine Stadt hat es nicht so mit öffentlichen Toiletten? Kein Problem, dann hältst du halt noch ein bisschen ein. Jedenfalls dann, wenn dein Beckenboden in Form ist – und du keine nervöse Blase hast. Insbesondere nach Schwangerschaften und/oder natürlichen Geburten merken wir Frauen, dass Kontinenz leider keine Selbstverständlichkeit ist. Ein überstrapazierter Beckenboden macht uns das Einhalten gar nicht mehr so leicht.

Was hilft: Den Beckenboden wieder fit machen. Dann kann diese tolle Muskelschicht auch eine volle Blase oder einen vollen Darm noch hinhalten bis das nächste Klo in Sicht ist. Wichtig ist der gute Verschluss unserer Körperöffnungen aber zum Beispiel auch beim Husten, Niesen oder Lachen. Denn dann wirken ganz schöne Kräfte auf unseren Bauchraum, die der Beckenboden stark und flexibel abfedern muss, damit nichts in die Hose geht.

Funktion Nr. 2: Tragen und Stabilität

Wo wir gerade beim Thema „Druck im Bauchraum“ sind: Der große Druck entsteht ja gerade dadurch, dass da ganz schön viel Gekröse in unseren Bäuchen herumliegt. Wusstest du, dass allein dein Darm eine Oberfläche von 32 qm hätte, wenn du ihn vor dir auf einem Fußballfeld ausbreiten würdest? Wenn du dann noch ein leckeres 3-Gänge-Menü verschmaust hast, liegt da ganz schön viel Gewicht in deinem Bauch herum. Und wer muss dieses Gewicht tragen? Genau: Dein Beckenboden!

Nicht umsonst ist die Empfehlung an frischgebackene Mütter: Bleibt im Wochenbett liegen, schont euch, steht in den ersten Tagen möglichst wenig auf! Denn ein geschwächter Beckenboden möchte diese ganze Last gar nicht so gerne schultern. Ein kräftig-flexibler Beckenboden hingegen stabilisiert unseren Körper. Er sorgt mit dafür, dass alle Organe an ihrem Platz bleiben und trägt sie – und damit auch uns – sorgenfrei durchs Leben.

Durch einen aktiven Beckenboden gelangen wir außerdem zu einer optimalen Beckenaufrichtung, die sich wiederum positiv auf die Haltung unserer Wirbelsäule, Knie und Füße auswirkt. Du hast oft Rückenschmerzen? Vielleicht helfen dir ein paar Beckenbodenübungen viel besser als die übliche Rückenschule!

Funktion Nr. 3: Hinein- und hinauslassen

Vielleicht hast du es schon geahnt: Kraft und Stabilität sind nicht alles! Was den Beckenboden zu einer ganz besonderen Muskelschicht unter unseren besonderen Muskeln macht, ist seine außerordentliche Flexibilität. Denn eines wusste schon eine jede unempathische Hebammen der 50er Jahren: Was rein kommt, muss auch wieder raus (und rein ist immer schöner, haha, jaja).

Aber ist rein wirklich immer schön? Nicht unbedingt, aber mit einem flexibel-trainierten Beckenboden wird es vielleicht (noch) schöner. Eine gute Durchblutung des Beckenbodens zum Beispiel steigert die Empfindsamkeit der weiblichen Vagina. Beim Orgasmus kannst du vielleicht die unwillkürlich entstehenden Muskelzuckungen in der Schwellkörpermuskulatur fühlen, die Teil deines Beckenbodens ist. Männer können im Beckenbodentraining mit etwas Glück (und Disziplin) sogar einen wirksamen Viagra Ersatz finden.

Für viel Spaß beim Sex sind Entspannung und Flexibilität im Beckenboden mindestens genauso wichtig wie Kraft und Aktivität. Und wenn der Sex dann irgendwann vielleicht seine biologische Funktion erfüllt hat und ein Baby unterwegs ist, gilt erst recht: Entspannung ist alles! Beim Gebären öffnet sich der Beckenboden und lässt das Baby durch. Ein zu festes Gewebe ist hier tatsächlich äußerst hinderlich.

Dass dein Beckenboden ein Meister im Entspannen und Hinauslassen ist, merkst du übrigens nicht nur, wenn du mal ein Baby bekommst. Auch jedes Mal, wenn du aufs Klo gehst, gibt dein Beckenboden nach und lässt alles raus, was drinnen keinen Zweck mehr hat.

Fazit: Flexibilität ist alles!

Du siehst also: Die Funktionen, die dein Beckenboden in deinem Körper erfüllt, sind vielseitig und äußerst herausfordernd. Unser Ziel sollte es deshalb immer sein, den Beckenboden flexibel und elastisch zu halten. Denn als reiner Muskelprotz wird dein Beckenboden seine Funktionen nicht erfüllen können – dann kann es u.a. zu Unbeweglichkeit und Schmerzen kommen, die bis in den oberen Rücken steigen können.

Aber auch als kleines schwaches Ding wird dein Beckenboden dir keine Freude machen. Dann kann er deinen Unterleib nicht mehr so gut verschließen und deinen Körper nicht mehr stabilisieren, was z.B. zu Inkontinenz und Haltungsschäden führen kann.

In unserer Übungspraxis und im Alltag ist es daher so immens wichtig, auf eine gute Balance aus kräftigenden und entspannenden Übungen zu achten, oder sogar Übungen zu suchen, die beide Aspekte vereinen. Genau so also, wie wir es im Beckenbodenyoga tun!

Die Physiotherapeutin und Beckenbodentrainerin Franziska Liesner vergleicht den Beckenboden in ihrem „Beckenbodenbuch“ mit einem Trampolin: Um richtig hoch darauf springen zu können, braucht es die genau richtige Spannung. Ist es zu straff oder zu schwach gespannt, ist der Spaß vorbei.

Lass uns an der richtigen (Ent-)Spannung arbeiten!

Und weil du dafür am besten erst mal genau spürst, wo dein Beckenboden sich überhaupt befindet, findest du Übungsbereich eine Anleitung, wie du dein eigenes Becken entdeckst.

Zur Übung

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