Die drei Schichten des Beckenbodens

Darum geht's

Das Geheimnis von Stabilität und Flexibilität unseres Beckenbodens ist: Er ist in mehreren Schichten aufgebaut. Hier stelle ich sie dir vor.

Tief in deinem Becken liegt eine Muskelschicht, die eine besondere Bedeutung für deinen Körper hat: Dein Beckenboden. Diese Muskulatur schließt deinen Körper nach unten hin ab, schenkt dir Stabilität und eine gute Haltung und ist flexibel genug, Ausscheidungen und manchmal sogar ein Baby hinauszulassen. Eine ziemliche Multifunktions-Muskulatur also! Wie genau schafft diese Muskelschicht es überhaupt, so viele Funktionen zu erfüllen – und das auch noch ein Leben lang?

Das Geheimnis ist: Der Beckenboden ist sehr stabil aufgebaut, verfügt aber zugleich über die Fähigkeit, extrem flexibel zu bleiben. Schauen wir uns zunächst mal den Faktor Stabilität an: 

Faktor Stabilität 

Der Beckenboden spannt sich im kleinen Becken zwischen Sitzbeinhöckern, Schambein und Steißbein auf. Diese vier Ansatzpunkte des Beckenbodens bilden zusammen ein Viereck. Dadurch ist er also gut und sicher an vier knöchernen Ansatzpunkten aufgespannt, so ähnlich wie ein Trampolin, das dein Becken nach unten hin verschließt. 

Was ihn darüber hinaus aber so fabelhaft stabil macht, ist sein besonderer Aufbau: Der Beckenboden ist nämlich nicht einlagig, sondern er besteht aus drei Schichten, die übereinander liegen und so für besonders viel Stabilität sorgen.

Das Besondere dieser drei Muskelschichten: Sie sind abwechselnd längs und quer aufgespannt:

  • Die innerste Schicht verläuft längs zwischen Steißbein und Schambein – also quasi „von hinten nach vorne“.
  • Die mittlere Schicht wiederum verläuft quer zwischen den Sitzbeinhöckern – also quasi „von links nach rechts“.
  • Die äußere Schicht verläuft erneut längs und umschließt bei der Frau den After- und Vaginalausgang.

Wie diese drei Schichten ganz genau aussehen, wozu wir sie brauchen und wie wir sie einzeln ansteuern können, schauen wir uns demnächst noch im Detail an. Im Moment ist es mir erst mal wichtig, dass du weißt: Dein Beckenboden ist verdammt stabil aufgebaut und wenn du dich gut um ihn kümmerst, kannst du dich ganz bestimmt auf ihn verlassen!  

Was ich damit sagen will: Auch wenn du vielleicht gerade das Gefühl hast, einen zu schwachen oder auch zu verspannten Beckenboden zu haben, der dir Sorgen bereitet: Die grundsätzliche Anatomie deines Beckenbodens macht es dir leicht, wieder zu alter Fitness und Sorglosigkeit zurückzukehren! Denn wir haben es hier mit einem tollen Muskel zu tun, der sogar direkt aus mehreren Schichten besteht, die nur darauf warten, von dir entdeckt und angesprochen zu werden.

Wichtig: Manche (zum Glück selten vorkommende) Geburts- oder Dammschnitt-Verletzungen können die Beckenbodenmuskulatur tatsächlich nachhaltig beschädigen und ein reguläres Training schwierig machen. Wenn du vermutest, dass das bei dir der Fall sein könnte, solltest du dir unbedingt Rat und Hilfe bei einer spezialisierten Physio- oder Beckenbodentherapeutin holen.  

Faktor Flexibilität und Elastizität

Das Wunderbare an mehreren Muskelschichten, die versetzt übereinander liegen, ist aber nicht nur, dass sie uns Stabilität schenken. Dieser Aufbau macht den Beckenboden zugleich besonders flexibel und elastisch.

Alle Beckenbodenschichten sind nämlich von Faszien umhüllt. Unter „Faszien“ versteht man grob gesagt das gesamte Bindegewebe unseres Körpers. Wie eine dünne, kollagen- und wasserhaltige Hülle umgeben Faszien sämtliche Strukturen wie Knochen, Organe, Sehnen, Bänder und eben auch Muskeln. 

Auch die einzelnen Muskelschichten des Beckenbodens sind von faszialem Gewebe umhüllt. Dadurch können die Muskelschichten wunderbar gegeneinander gleiten und locker bleiben. Diese Elastizität ist wichtig, denn dein Beckenboden soll zwar stark und kräftig sein – gleichzeitig muss er sich aber auch eine ganze Menge Flexibilität bewahren, um im Alltag gut mithalten zu können. 

Wir hatten den Vergleich schon in einem meiner letzten Texte: Du kannst dir den Beckenboden ein bisschen wie ein Trampolin vorstellen, das zwar gut gespannt sein muss, aber auch nicht zu straff sein darf. Denn auf einem zu straffen Trampolin kann man nicht gut springen. Auf einem zu schwach gespannten aber auch nicht!

Alleiniger Kraftaufbau ist daher für den Beckenboden nicht sinnvoll. Deswegen fließen im Beckenbodenyoga so viele Entspannungselemente und Dehnübungen mit ein. So hältst du auch deine Faszien geschmeidig und dehnbar. 

Die Ansatzpunkte des Beckenbodens besser kennenlernen

Um bald total effektiv mit deinen Beckenbodenschichten arbeiten zu können, solltest du nun erst mal die Ansatzpunkte deines Beckenbodens besser kennenlernen. Das kannst du mit dieser Übung:

Zur Übung

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Übung: Die innere Beckenbodenschicht aktivieren

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